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Ländliche Sozialforschung in Österreich

In Österreich wird unter Ländlicher Sozialforschung die wissenschaftliche Bearbeitung von Fragestellungen verstanden, die sich mit den Menschen im ländlichen Raum - also keineswegs nur mit der bäuerlichen Bevölkerung - befassen. Die ländliche Sozialforschung ist dabei im Wesentlichen ein Teil der allgemeinen Sozialforschung, wobei sich allerdings aus den besonderen Verhältnissen im ländlichen Raum gewisse Abweichungen sowohl in methodischer als auch in thematischer Hinsicht ergeben. Dazu gehört insbesondere die große Bedeutung des Raumes, der auch in gesellschaftlicher Hinsicht strukturierend und differenzierend wirkt. In vielen sozialwissenschaftlichen Fragestellungen erweist sich der Raum als wichtigstes Differenzierungskriterium. Der Begriff der ländlichen Sozialforschung wird wesentlich weiter gefasst als jener der ländlichen Soziologie. Während letztere bei aller Vielfalt ihrer Interessensgebiete weiterhin vor allem den Mechanismen des sozialen Wandels nachspürt, ist die Sozialforschung wesentlich stärker aufgefächert und reicht von der Sozialökonomik und Sozialstatistik bis hin zu Fragen des Gesundheitswesens und der Wohlfahrtspflege, der räumlichen und beruflichen Mobilität, des Arbeitsmarktes usw., schließt also auch demographische Fragen und statistische Untersuchungen von Wanderungsbewegungen ebenso ein wie die spezifisch soziologischen Themenbereiche (Pevetz 2000, 24).

 

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Wiesinger, Georg (2004): Ländliche Sozialforschung in Österreich In: Schweizerische Gesellschaft für Agrarwirtschaft und Agrarsoziologie (2004): La sociologie rural pour quoi faire? Agrarwirtschaft und Agrarsoziologie 2/04. 93-110.